Die lucanischen Pastarelle sind viel mehr als nur ein Frühstückskeks: sie sind ein Stück Geschichte der Basilikata, das nach Zuhause und Fest riecht.
Früher, während der Fastenzeit, hielt man sich an eine sehr strenge Ernährungsweise (oft ohne Eier und tierische Fette). Das Backen der Pastarelle markierte die Rückkehr zum „Reichtum“: die Fülle an Eiern im Teig war die Art, die Auferstehung und das Ende des Fastens zu feiern.
Diese ikonischen „großen Kekse“, bekannt für ihre unglaubliche Eignung zum Eintunken, haben ihre Wurzeln in der bäuerlichen Kultur und stehen vor allem zur Osterzeit im Mittelpunkt.
Mit dem Ende der Fastenzeit füllten sich (und füllen sich bis heute) die lucanischen Küchen mit dem eindringenden Geruch von Ammoniak – ein unverkennbares Zeichen, dass Geschenke für Verwandte und Freunde vorbereitet werden.
Es war Tradition, in der Karwoche große Mengen Pastarelle zu backen, um sie Verwandten, Nachbarn und besonders den Taufpaten (den „Santi“) zu schenken.
Oft wurden sie in Papierstrohsäckchen oder geflochtenen Körben verpackt und wurden so zum klassischen Ostergeschenk zwischen den Familien im Dorf.
Obwohl die klassische Form der längliche „große Keks“ ist, bekam der Teig zu Ostern oft aufwendigere Formen:
Als Zopf: Symbol der Verbundenheit.
Als Kreis (scarcelle): erinnert an die Dornenkrone oder den Lebenszyklus.
Mit hartgekochtem Ei: In einigen Gegenden wurde ein hartes Ei in die Pastarella eingesetzt und mit zwei Teigstreifen kreuzförmig fixiert – ein Symbol der Wiedergeburt.
Die Einfachheit der Zutaten früherer Zeiten — Eier, Zucker und Öl — eignet sich bestens für eine glutenfreie Version.
In vielen lucanischen Orten ist das Osterfrühstück morgens ein richtiges Festmahl.
Neben herzhaften Speisen (wie der pizzola oder Salami) fehlen die Pastarelle nie: sie dienten dazu, den Gaumen zu „reinigen“ und wurden oft in süßen Wein oder frisch gemolkene Milch gedippt.
- Schwierigkeit: Mittel
- Kosten: Sehr günstig
- Ruhezeit: 1 Stunde
- Vorbereitungszeit: 10 Minuten
- Kochzeit: 20 Minuten
- Portionen: 25 Stück
- Kochmethoden: Backofen, elektrischer Backofen
- Küche: Italienisch
- Saisonalität: Ostern, Frühling
Zutaten
- 300 g Reismehl
- 150 g Kartoffelstärke (glutenfrei)
- 50 g Maisstärke (glutenfrei)
- 1/2 Teelöffel Xanthan
- 150 g Zucker (+ zum Bestreichen)
- 2 Eier
- 100 ml Pflanzenöl
- 10 g Backammoniak
- 50 ml Milch (+ zum Bestreichen)
Schritte
Die Aktivierung: Löse das Backammoniak in lauwarmer Milch auf. Es bildet sich Schaum – das ist das Zeichen, dass das Backtriebmittel bereit ist, deine Pastarelle wunderbar luftig zu machen.
Der Teig: Schlage in einer Schüssel die Eier mit dem Zucker auf, gib das Öl dazu. Dann nach und nach die Mehle und die Milch mit dem aufgelösten Ammoniak hinzufügen. Der glutenfreie Teig wird etwas weicher sein: gib nicht zu viel Mehl dazu, sondern lass ihn mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen, abgedeckt mit Frischhaltefolie.
Das Formen: Forme zylindrische Rollen von etwa 10 cm Länge. Schneide Stücke von 7–10 cm ab. Für die Oster-Version kannst du zwei Rollen miteinander flechten oder sie zu kleinen Kränzen formen.Wenn der Teig sehr weich ist (mehr wie ein dickerer Teig), nahmen die Omas oft einen Löffel Teig und ließen ihn direkt auf das Backblech fallen. So entstanden ovale, etwas unregelmäßige große Kekse (in manchen Gegenden oft „pasticciotti“ genannt).
Der letzte Schliff: Wälze nur die Oberseite der Kekse im Kristallzucker.
Backen: Im Ofen bei 180°C (Ober-/Unterhitze) für 15–20 Minuten backen.
Tipp:
Glutenfreie Pastarelle sind frisch aus dem Ofen noch zerbrechlicher. Lass sie auf dem Blech vollständig abkühlen, bevor du sie umsetzt: dann werden sie stabiler und sind bereit für das große österliche Eintauchen!
FAQ (Fragen und Antworten)
Verlangt das Rezept der lucanischen Pastarelle Schmalz oder Butter?
In der ältesten und ärmsten Version, der „Alltags“-Variante, verwendete man fast ausschließlich Olivenöl extra vergine (oder Pflanzenöl, wenn man einen neutraleren Geschmack wollte). Das lag an der unmittelbaren Verfügbarkeit auf dem Land in der Basilikata.
Allerdings:
Schmalz: Wurde oft in reicheren Varianten oder gerade in den festlichen Versionen zu Ostern genutzt, weil Schmalz eine unglaubliche Bröseligkeit verleiht (noch mehr als Öl) und einen rustikaleren Geschmack. Wenn du es verwenden möchtest, ersetze die 100 g Öl etwa durch 80–90 g Schmalz.
Butter: Ist eine modernere Ergänzung. Sie macht den Keks aromatischer und ähnelt mehr einem Mürbeteigkeks, nimmt ihm aber etwas von der typischen, leichten und rustikalen Beschaffenheit der Pastarelle, die so gut zum Eintunken geeignet ist.

