Die Pardulas de arrescottu sind kleine, von Hand „gezwickte“ Hefeteigkörbchen, die eine Füllung auf Ricotta-Basis mit Safran und Zitrusabrieb umschließen.
Traditionell zu Ostern zubereitet, wenn die Schafsricotta (arrescottu) am frischesten und aromatischsten ist, sind Pardulas ein kollektiver Brauch.
Auf Sardinisch bedeutet der Begriff „prenas“ „voll, aufgebläht“ und bezeichnet genau die aufgehende Variante, bei der die Teighülle um die Ricotta herum wächst und sich wölbt; üblicherweise spricht man von „coccoi prenas“, Hefeteigkörbchen auf Kartoffel- und Käsebasis.
In der häufigeren Variante der Pardulas umhüllt eine pasta violada (ein Hartweizen- und Schmalz-Teig) die Füllung mit feiner Knusprigkeit.
Meine aufgehende Interpretation verbindet zwei sardische Rezepte: coccois prenas und pardulas, und schafft so die pardulas „prenas“, bei denen die Textur sich völlig wandelt und in eine Art weiche Brioche übergeht.
In der sardischen Kultur symbolisierte natürliche Gärung Wohlstand. Ein gut „wachsender“ Teig durch su fremmentu galt als gutes Omen für das kommende Jahr der Landwirtschaft.
Die hier vorgeschlagene Version weicht bewusst von konventionellen Zubereitungen ab, um speziellen Ernährungsbedürfnissen und aromatischen Feinheiten gerecht zu werden, behält jedoch die traditionelle Verarbeitung bei:
Gluten- und Laktosefrei: Der Einsatz von glutenfreiem Hafermehl bringt eine nussig-toastige Note und eine Struktur, die für die glutenfreie Ernährung geeignet ist, während die Verwendung von geklärter Butter (Ghee) die Milchproteine eliminiert und dennoch eine edle, aromatische Fettkomponente liefert.
Natürliche Gärung: Im Gegensatz zur üblichen Verwendung von Frischhefe greift dieses Rezept auf Sauerteig (su fremmentu) zurück, was eine langsame Reifung des Teigs, bessere Verdaulichkeit und längere Saftigkeit gewährleistet.
Aromenprofil: Neben den klassischen Nuancen von Safran und Orange ist die Füllung durch eine dezente Rauchnote geprägt. Ein gezielter Hauch Flüssigrauch erinnert an die Aromen traditionell über Holz gereifter Käsesorten und schafft einen technischen Kontrast zur Süße der Ricotta.
Diese Interpretation der Pardula de arrescottu vereint die Strenge der natürlichen Gärung mit einer Kombination moderner Zutaten und bietet ein komplexes, inklusives Geschmackserlebnis.
- Schwierigkeit: Mittel
- Kosten: Günstig
- Ruhezeit: 6 Stunden
- Vorbereitungszeit: 10 Minuten
- Kochzeit: 30 Minuten
- Portionen: 22 Stück
- Kochmethoden: Backofen, Elektro-Backofen
- Küche: Italienisch
- Saisonalität: Ostern, Frühling
Zutaten
- 100 ml frischer glutenfreier Sauerteig (aufgefrischt)
- 120 ml Pflanzenmilch (+ zum Bestreichen)
- 50 g Zucker
- 250 g glutenfreies Hafermehl
- 1 Ei (+ 1 Ei zum Bestreichen)
- 100 g glutenfreie Kartoffelstärke
- 60 g geklärte Butter (Ghee)
- 500 g laktosefreie Ricotta
- 100 g Kristallzucker
- 2 Eigelb
- 1 Tropfen Flüssigrauch
- 1 Tütchen Safran
- 2 Esslöffel Reismehl
- nach Belieben Zitronenschale
Schritte
1. Teigzubereitung
Löse den frischen, glutenfreien Sauerteig im lauwarmen Pflanzendrink auf.
Vermische in einer Schüssel das Hafermehl, die Stärke (Kartoffelstärke) und den Zucker. Gib die Milch mit dem aufgegangenen Sauerteig und das Ei hinzu.
Knete die Masse gut. Sobald sie zusammenhält, arbeite die geklärte Butter (Ghee) in Cremeform (weich, aber nicht flüssig) und das Salz ein.
Knete weiter, bis ein glatter Teig entsteht. Falls er zu klebrig ist, gib wenig Stärke hinzu.
2. Die Ruhephase (das Geheimnis für’s Ausrollen)Wickle den Teigling in Frischhaltefolie und lege ihn für 30–40 Minuten in den Kühlschrank. Das lässt den Hafer quellen und die geklärte Butter fester werden, so dass du den Teig ohne Reißen ausrollen kannst.
3. Die FüllungWährend der Teig ruht, seihe die gut abgetropfte Ricotta und mische sie mit Zucker, Eigelben, Safran und dem geriebenen Zitronenabrieb. Gib das Reismehl hinzu, damit überschüssige Feuchtigkeit gebunden wird.
4. Formen der PardulasNimm den Teig aus dem Kühlschrank. Rolle ihn mit dem Nudelholz auf einer mit Reismehl bestäubten Fläche aus (Dicke etwa 6–7 mm).
Steche Scheiben von 9–10 cm Durchmesser aus. Setze in die Mitte jeweils ein Ricotta-Körbchen (ca. 35 g).
Heb die Ränder an und zupfe sie, um die sternförmige Optik zu erzeugen.
5. Die lange Gärung (6 Stunden)
Lege die Pardulas auf ein Backblech mit Backpapier.
Lass sie in einem geschützten Bereich für 6 Stunden gehen (ein ausgeschalteter Ofen mit eingeschalteter Lampe ist ideal). Sie sollten deutlich sichtbar aufgehen.
6. Backen
Backe im vorgeheizten Ober/Unterhitze-Ofen bei 170°C für ca. 25–30 Minuten.
Hafer und Ghee geben eine dunklere goldene Färbung. Nimm sie aus dem Ofen, wenn die Füllung fest ist und der Teig durchgebacken, aber nicht hart ist.
Kombination: Rauchiger Schwarztee
Um das sensorische Erlebnis zu vervollständigen, serviere ich die Pardulas prenas zu einem robusten, geräucherten Schwarztee.
Die Zubereitung lehnt sich geschmacklich an traditionellen russischen Tee an (z. B. Lapsang Souchong oder Russian Caravan), die durch eine deutliche Holzrauch-Note gekennzeichnet sind und oft mit einem Löffel Marmelade oder Honig serviert werden.
Ein Tropfen Flüssigrauch im Aufguss greift die aromatische Komponente der Ricotta-Füllung auf und schafft eine stimmige geschmackliche Brücke.
Eine Scheibe Zitrone im Tee hat eine technische Funktion: die Fruchtsäure reinigt den Gaumen von der Fettkomponente von Ghee und Ricotta und balanciert die Intensität von Safran und Rauchnoten aus.
FAQ (Fragen und Antworten)
Wurde traditionell für Pardulas Butter verwendet?
In der historischen und ursprünglichen sardischen Rezeptur mit Sauerteig (su fremmentu) wurde Butter nicht verwendet.
Stattdessen setzte man ausschließlich Schweineschmalz (sa ollu de porcu).
Deshalb:
Pastorale Tradition: In Sardinien kam Butter sehr spät in die Volksküche. Die agropastorale Kultur basierte auf Schafen und Schweinen; das edle Fett für Süßes und Blätterteige war Schmalz.
Technische Wirkung: Schmalz macht einen Sauerteigteig bemerkenswert weich und aromatisch, deutlich mehr als Butter. Es hilft, die Feuchtigkeit zu erhalten, sodass Pardulas mit natürlicher Gärung mehrere Tage weich bleiben (wichtig bei langen Reifezeiten).
Der Geschmack: Gutes Schmalz ist neutral und lässt das intensive Aroma von Safran und Orangenschale der Füllung hervor treten, ohne sie mit milchigen Noten zu überdecken.

